Historie
Krisen und Umbauten gehören zur Geschichte des Konzerns.
Die historische Entwicklung ist für unsere Bewertung interessant, weil Volkswagen bereits mehrfach an Punkten stand, an denen bestehende Produkte, Kostenstrukturen oder Strategien nicht mehr trugen. Die Antworten waren jeweils tiefgreifende Veränderungen des Konzerns.
1937–1949Belasteter Ursprung und Neustart.
Volkswagen wurde 1937 im nationalsozialistischen Deutschland als Gesellschaft der Deutschen Arbeitsfront gegründet und während des Zweiten Weltkriegs in die Rüstungs- und Zwangsarbeitswirtschaft eingebunden. Nach Kriegsende begann unter britischer Verwaltung die zivile Serienproduktion – der Ausgangspunkt des späteren Massenherstellers.
Ende 1960er / 1970erDie Käfer-Formel gerät an ihre Grenzen.
Volkswagen war stark von einem technisch alternden Kernprodukt abhängig. In den USA fielen die Verkäufe von rund 570.000 Fahrzeugen 1970 auf knapp 486.000 im Jahr 1972. Volkswagen reagierte mit Kostensenkungen, Rationalisierung und hohen Investitionen in eine völlig neue Modellgeneration. Passat, Scirocco und vor allem der Golf markierten anschließend den Wechsel zu wassergekühlten Frontmotor-Modellen.
1992/93Absatzkrise erzwingt Produktivitätsumbau.
In der schweren Weltwirtschaftskrise trafen massive Absatzverluste auf hohen Kosten- und Wettbewerbsdruck. Volkswagen leitete einen strategischen Richtungswechsel ein: höhere Produktivität und Ertragskraft, schlankere Fertigung, flachere Hierarchien, geringere Fertigungstiefe und stärkere Vernetzung mit Zulieferern. Aus der Krise entstand ein deutlich moderneres Produktionssystem.
2015–2018Dieselkrise wird zum strategischen Wendepunkt.
Der Dieselskandal entwickelte sich zur schwersten Vertrauens- und Unternehmenskrise der jüngeren VW-Geschichte. Volkswagen bezeichnete die anschließende „TOGETHER – Strategie 2025“ selbst als größten Veränderungsprozess seiner Geschichte: Kerngeschäft, Elektromobilität, Digitalisierung, Governance und Investitionsprioritäten wurden neu ausgerichtet.
Was sagt uns das für heute?Nicht, dass Volkswagen jede Krise automatisch meistert. Aber der Konzern hat schon mehrfach bewiesen, dass er unter erheblichem Druck Produkte, Produktionssysteme und strategische Prioritäten grundlegend verändern kann. Der Zukunftsplan 2030 wäre damit nicht der erste große Umbau – entscheidend wird sein, ob er diesmal schnell genug greift.